Mobilitätskonzept: Vorfahrt für Klimaschutz und Lebensqualität

Autos parken hintereinander an der Straße
Bild: Hans / Pixabay

Wir ordnen das von der Verwaltung vorgelegte Mobilitätskonzept für den ruhenden Verkehr auf Grundlage eines externen Parkraumgutachtens als wichtigen Baustein für die beschlossene Mobilitätswende ein. Das Papier mit seiner umfangreichen Datenbasis beschreibt Handlungsfelder, auf denen die Landeshauptstadt wichtige Schritte auf dem Weg zu mehr Klimaschutz und Lebensqualität beschreiten kann. Bei der Umsetzung dürfen wir keine Zeit verlieren, denn in den vergangenen 40 Jahren ist die Zahl der Pkw um rund 30.000 gestiegen.

Die Mobilitätswende ist mit den einstimmigen Beschlüssen der Ratsversammlung zum Masterplan 100% Klimaschutz und Mobilität für die KielRegion seit 2017 gesetzt. Mit dem umfangreichen Gutachten des Büros IKS Mobilitätsplanung aus Kassel liegen nun auch die Daten vor, auf deren Basis die Wende gerade beim ruhenden Verkehr vorangetrieben werden kann. Der große Parkdruck, der durch die steigenden Pkw-Zahlen in weiten Teilen zwischen Universität/Düsternbrook, Moorteichwiese und Gaarden herrscht, macht entschlossenes Handeln zugunsten einer Neuordnung des öffentlichen Raumes zwingend nötig.

Nachhaltigen Mobilitätsangeboten wie Carsharing, Park+Ride, Bike+Ride und Mobilitätsstationen muss ebenso mehr Platz eingeräumt werden wie dem ÖPNV, zu Fuß Gehenden und Radfahrenden. Das geht mit einer fairen Preisgestaltung für die Nutzung des öffentlichen Raumes, z.B. durch eine Anpassung von Parkgebühren. Aber auch die Einrichtung von Anwohnerparkzonen mit Lieferbereichen, die bessere Auslastung von Parkhäusern und die Nutzung von Parkflächen von Supermärkten als Parkraum auch für Anwohner*innen sind wichtige Optionen für mehr Lebensqualität. Frei werdender öffentlicher Raum bietet Chancen für neue Nutzungen wie zum Beispiel eine Entsiegelung mit anschließender Begrünung zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas und der Aufenthaltsqualität.

Unverzichtbarer Bestandteil des Mobilitätskonzeptes ist die rechtzeitige Information und die Beteiligung der Menschen. Eine Mobilitätswende kann nur dann gelingen, wenn die Maßnahmen abgestimmt, ausreichend erklärt und nachvollziehbar sind und der zeitliche Vorlauf ausreicht, um das individuelle Verhalten anzupassen. Das Konzept macht Vorschläge, für die jetzt so schnell und so gründlich wie möglich Umsetzungskonzepte zu erarbeiten sind. Öffentlichkeit und Ortsbeiräte müssen auch in der Umsetzungsphase, zum Beispiel von Bewohner*innenparkzonen, beteiligt werden.

Die Stärke des Konzeptes ist es, dass die Bedürfnisse so unterschiedlicher Interessengruppen wie Bewohner*innen, Wirtschaft und Institutionen, Besucher*innen und Pendler*innen von vornherein mitgedacht werden. Für sie alle gilt aber, dass es zu Veränderungen im Mobilitätsverhalten kommen muss. Das Konzept der autogerechten Stadt muss transformiert werden in ein System, in dem nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität Vorfahrt bekommt.

Dies erklären die umweltpolitischen Sprecher Axel Schnorrenberg (SPD-Ratsfraktion) und Arne Stenger (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Dr. Max Dregelies (SPD).

Axel Schnorrenberg

Max Dregelies