Vandalismus am Gedenkort des „Arbeitserziehungslagers Russee“

Gedenkstein für die ermordeten Häfltinge im Arbeitserziehungslager Nordmark. Kahle Bäume im Hintergrund
Bild: Wolfram Baumgarten

Auch in diesem Jahr sind anlässlich des Volkstrauertages an der Gedenkstätte Arbeitserziehungslager Nordmark in Kiel-Russee Kränze zum Gedenken der Opfer der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten niedergelegt worden. Nur wenige Tage nach der Kranzniederlegung wurden allerdings alle Schleifen an den niedergelegten Gestecken und Kränzen abgeschnitten.
Die örtlichen SPD-Ratsmitglieder Astrid Leßmann (Russee) und Philip Schüller (Hassee) zeigen sich ebenso wie Frank Hornschu (Mitglied im SPD-Ortsverein Russee-Hammer) entsetzt und empört über eine solch feige Tat! Gemeinsam verurteilen sie den Vandalismus am Gedenkort des „Arbeitserziehungslagers Russee“.

das Schlimmste, was sie je erleben musste

Astrid Leßmann zeigt sich erschüttert: „Ich erinnere mich noch gut an eine Ortsbeiratssitzung in Russee vor ca. 2 Jahren. Dort berichtete ein Einwohner, dass er Briefkontakt zu einer Frau in den USA hat, die Opfer der Nationalsozialisten geworden war. Sie wurde in mehreren Lagern untergebracht, aber das Arbeitserziehungslager Nordmark war das Schlimmste, was sie je erleben musste. Sehr eindrucksvoll hatte dieser Bürger einen Ausschnitt aus einem Brief verlesen und dieses hat einen tiefen Eindruck bei mir bis heute hinterlassen. Freiheit ist ein hohes Gut. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass solche Gräueltaten noch einmal geschehen!“

keine Mitmenschlichkeit

„Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Tat die Opfer und das Gedenken verhöhnen soll. Mit dieser Tat hat sich die Person außerhalb der Gesellschaft gestellt; diese Person beweist, dass bei ihr Anstand und Vernunft deutlich unterhalb der Nachweisgrenze liegen; mit dieser Tat zeigt die Person, dass sie kein Mitgefühl, keine Mitmenschlichkeit und Empathie besitzt.
Was neben der Empörung bleibt, ist die Gewissheit, dass solche Art von Menschen sich selbst ächten und zu einer verantwortungslosen und geradezu niederträchtigen Minderheit zählen; sie insofern die große Mehrheit, im Gedenken an die Opfer des Faschismus, nie werden auch nur im Ansatz behindern können“, Frank Hornschu.

Gerade der Volkstrauertag, so Leßmann, Hornschu und Schüller, sollte immer wieder daran erinnern, was im letzten Jahrhundert an schrecklichen Dingen passiert ist, und mahnen, darauf aufzupassen, es nie so weit kommen lassen.

Niemand soll vergessen, was an dieser Stelle geschah

Für Philip Schüller zeigt das Ereignis schließlich auch, dass Debatten um Erinnerungskultur wichtig für die Stadtgesellschaft seien: „Wir müssen das AEL Nordmark bei den Menschen präsenter und sichtbarer machen, damit niemand vergisst, was an dieser Stelle, mitten in unserer Nachbarschaft, getan wurde. Ich bin weiterhin der Meinung, dass eine Umbenennung der Bushaltestelle Strucksdiek, die direkt vor der Gedenkstätte liegt, einen erheblichen Teil dazu beitragen kann, wenn sie den Namen der Gedenkstätte trägt!“