Sportschule für Kiel

Die Verwaltung wird gebeten, bis zum Ende des I. Quartals 2020 den Bedarf nach sportbetonten Klassenzügen innerhalb bestehender Schulen sowie nach einer spezialisierten Sportförderschule für Leistungssportler*innen abzufragen.

Der Bedarf soll einerseits durch eine Anfrage über die Schulleitungen und andererseits über eine Anfrage durch den Sportverband Kiel ermittelt werden. Dabei ist abzuklären, wie viele Leistungssportler*innen ein solches Angebot nutzen würden, wo diese zur Schule gehen und was für Sportarten betrieben werden. Bei der Abfrage über die Schulleitungen soll auch ermittelt werden, ob eine stärkere Profilierung in Richtung Sportförderschule für die einzelnen Schulen vorstellbar bzw. wünschenswert wäre. Das Ergebnis ist dem Ausschuss für Schule und Sport vorzulegen.
Zeichnet sich ein Bedarf ab, soll die Verwaltung im Anschluss ein Gespräch mit folgenden Akteuren initiieren, um die Ergebnisse zu besprechen und Möglichkeiten der Umsetzung zu erörtern: Vertreter*innen interessierter Schulen, die Koordinierungslehrer*innen des Sports, der LSV, die Sportjugend SH, der Sportverband Kiel sowie Vertreter*innen des Landesministeriums.

Dieses Gespräch soll mit dem langfristigen Ziel verfolgt werden, in Kiel ein Konzept für eine Sportschule zu entwickeln.

 

Begründung:

Kieler Leistungssportler*innen sind in den unterschiedlichsten Sportarten erfolgreich. Das liegt nicht zuletzt an den sehr aktiven Kieler Vereinen sowie der sehr guten Sportstätteninfrastruktur. Allerdings ist vor allem im Nachwuchsleistungssport die Trainingsbelastung bereits jetzt sehr hoch, so dass den Jugendlichen neben schulischen Verpflichtungen und anderem privaten Ausgleich immer weniger Zeit zur Erholung zur Verfügung steht. Um die sportliche Karriere trotzdem zu fördern, wechseln die Sportler*innen immer wieder an Sportschulen oder Internate außerhalb Schleswig-Holsteins.

Auf Grund der sehr guten Voraussetzungen in der Sportstadt Kiel sollte langfristig das Ziel verfolgt werden, möglichst viele Sportler*innen durch ihre Trainer*innen vor Ort trainieren zu lassen, bzw. nicht aus dem gewohnten Umfeld zu reißen. Daher sollte versucht werden, die Schule und den Sport vor Ort zu kombinieren und an den Bedürfnissen der Sportler*innen auszurichten.

Bereits jetzt werden einige Kooperationen im Rahmen der sportbetonten Schulen, u.a. mit der KSV Holstein, dem THW Kiel oder dem Segelstützpunkt, angeboten. In Kiel gibt es allerdings noch weitere Sportarten, die auf dem höchsten, nationalen Niveau betrieben werden, wie man an der Vielzahl der jährlichen Ehrungen durch das Amt für Sportförderung erkennt. Ein entsprechendes schulisches Angebot über mehrere Sportarten hinweg, kombiniert an einer Schule, gibt es bisher allerdings nicht. Auch in Schleswig-Holstein gibt es ein solches übergreifendes Angebot nicht. Schleswig-Holstein ist damit neben Bremen das einzige Bundesland, das über kein entsprechendes Angebot einer Sportschule verfügt.

Als Landeshauptstadt bietet Kiel die besten Voraussetzungen, um ein solches Schulangebot zu entwickeln. Ob es das neue Hörnbad für die Schwimmer*innen, das Kunstturnzentrum für die Turner*innen oder die Sportplätze für die Leichtathlet*innen sind, die Infrastruktur ist in den meisten Kieler Sportarten vorhanden. Ein solches Konzept kann allerdings nur in Zusammenarbeit mit dem Land Schleswig-Holstein und den verschiedenen Sportverbänden erarbeitet und umgesetzt werden.

Um die Bedarfe und mögliches Interesse der Kieler Schulen in einem Gespräch mit dem Ministerium konkret benennen zu können, soll dieses in Befragungen vorher in Erfahrung gebracht werden. Dazu bietet es sich einerseits an, mit den Schulleitungen ins Gespräch zu gehen, da diese oftmals die Schüler*innen an der eigenen Schule, die Leistungssport betreiben, kennen. Andererseits können die Bedarfe ebenso gut in Zusammenarbeit mit dem Sportverband Kiel in Erfahrung gebracht werden, da dieser die Schnittstelle zu den Kieler Sportvereinen darstellt.

Eine duale Förderung im Zusammenspiel von Schule und Leistungssport ist ein wichtiger Aspekt für junge, talentierte Sportler*innen, um Leistungssport langfristig ausüben zu können. Durch eine Kooperation zwischen einer Kieler Schule und dem Leistungssport kann die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen sportlich sowie schulisch gefördert werden. Auch aus sozialen Gesichtspunkten ist ein solches Modell förderungsfähig.

 

Ratsherr Philip Schüller und Ratsherr Tobias Friedrichs, SPD-Ratsfraktion

Ratsfrau Daniela Sonders, Ratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Christian Ziesmann, FDP-Ratsfraktion