100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland

100-Jahre-Wahlrecht

100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland – an diesen historischen Schritt wollen wir mit einer Aktion erinnern.  Wir werden am Samstag, den 19. Januar, ab 11:00 Uhr, an der Schevenbrücke (Europaplatz) alte Wahlzettel verteilen und Passagen der Rede von Marie Juchacz – der ersten Frau, die vor einem deutschen Parlament sprach – verlesen.

„Für uns ist das allgemeine Wahlrecht heute eine Selbstverständlichkeit. Aber damals waren es mutige Frauen und Männern, die durch ihr Engagement die Gleichberechtigung ermöglicht haben. Und heute setzen wir uns dafür ein, den Anteil der Frauen in den Parlamenten wieder zu erhöhen“, so Antje Möller-Neustock, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in der SPD Kiel.

Die kaiserliche Regierung strebte gegen Ende des 1. Weltkriegs zwar eine Wahlrechtsreform an, der Anspruch der Frauen auf politische Teilhabe sollte aber wieder ignoriert werden. Das widersprach der Forderung nach einem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht für alle Deutschen!

Nach der Revolution demokratisierte die Übergangsregierung, der „Rat der Volksbeauftragten“ unter Friedrich Ebert (SPD), in ihrem ersten Aufruf am 12. November 1918 das bisherige Wahlrecht mit einem Federstrich und kündigte Wahlen an, „an denen alle über 20 Jahre alten Bürger beider Geschlechter mit vollkommen gleichen Rechten teilnehmen werden“. Im Artikel 109, Abs. 2 der Weimarer Verfassung findet sich schließlich der Satz:
„Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.“
Die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung vom 19. Januar 1919 war die erste, an der Frauen als Wählerinnen und Gewählte teilnahmen. Über 80 Prozent der wahlberechtig- ten Frauen gaben ihre Stimme ab. Es kandidierten 300 Frauen. Von den insgesamt 423 Abgeordneten, die in die Nationalversammlung einzogen, waren 37 weiblich.
Die „B.Z. am Mittag“ berichtete in ihrer Ausgabe vom Wahltag: „Äußerlich vollzieht sich die Wahl von 1919 genauso wie die von 1912. Und doch hat die ganze Sache diesmal ein anderes Gesicht, denn erstens sitzt am Wahltisch als Beisitzer eine Frau – die hätte dort früher nichts zu suchen gehabt – und dann sind unter den Wählenden mehr als die Hälfte als weiblichen Geschlechts zu bezeichnen.“

Wir laden die Kielerinnen und Kieler ein, dabei zu sein!