Urgroßneffe von Wilhelm Spiegel besucht Kieler SPD

Stolperstein mit der Aufschrift "Hier wohnte Dr. Wilhelm Spiegel. Jg. 1876. Ermordet 123.1933" Bild: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0

„Sich wehren liegt in der Familie“

Daniel Garay, ein Nachkomme von Wilhelm Spiegel, traf sich bei seinem ersten Besuch in der Landeshauptstadt mit Mitgliedern des Arbeitskreises Geschichte der Kieler SPD. Wilhelm Spiegel gehörte von 1911 bis 1933 der Kieler Stadtverordnetenversammlung an, von 1919 bis 1924 stand er ihr vor. 1933 wurde er von den Nazis ermordet.
Daniel Garay kam nach Deutschland, um gegen eine Ungerechtigkeit des Grundgesetzes vorzugehen: Nachkommen, die von ausgebürgerten Frauen abstammen, haben kein Recht darauf, als deutsch anerkannt zu werden. Er ist betroffen, weil seine Großmutter eine Nichte von Wilhelm Spiegel war, sein Großvater aber Ungar.

Bei dem Treffen mit Jürgen Weber, Rolf Fischer und Susanne Kalweit interessierte Daniel Garay vor allem die Geschichte seines Urgroßonkels und die seines Urgroßvaters Otto Spiegel, die beide vor der Herrschaft der Nationalsozialisten hochgeachtete Mitglieder der SPD waren. Dr. Otto Spiegel, einer der ersten fachlich ausgebildeten Kinderärzte, baute ab 1917 die Fachpädiatrie in Schleswig-Holstein auf und leitete sie bis 1933. Danach betrieb er, als einer von nur drei Ärzten jüdischer Herkunft in Schleswig-Holstein, eine kleine Privatpraxis in Kiel. 1938 kam er zunächst ins KZ Sachsenhausen, konnte dann mit seiner Familie nach Kolumbien emigrieren.
Sein Urenkel lebt heute in London und hat erst vor wenigen Jahren begonnen, sich in die weitere Familiengeschichte einzuarbeiten. Daniel Garay versprach den Kielern weitere Informationen über die Familie, damit auch Otto Spiegel angemessen gewürdigt werden kann. Weber, Fischer und Kalweit sicherten ihm Unterstützung für sein Anliegen, das Grundgesetzes zu ändern, zu.