Arbeit für alle – Unser Kieler Weg

Am 30. November 2011 diskutierten Oberbürgermeister Torsten Albig und der ehemalige Staatssekretär im Sozialministerium Dr. Hellmut Körner unter der Moderation von Carsten Kock (RSH) auf einer Veranstaltung der SPD-Ratsfraktion Kiel, wie mehr Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Arbeit finden können. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten in der Cafeteria der Stiftung Drachensee einen spannenden Abend.

Unter den Zuschauern befanden sich interessierte Unternehmer wie CITTI-Geschäftsführer Gerhard Lütje und Famila-Personalleiter Edgar Nienhuys, Gewerkschafter, zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Werkstätten, Wohlfahrtsverbänden und Bildungseinrichtungen. Ebenfalls dabei war der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Prof. Dennis Snower. Nach der Begrüßung durch die SPD-Fraktionsvorsitzende Gesa Langfeldt und dem Grußwort des Gastgebers, der Stiftung Drachensee, Klaus Teske, führte Bernd Hartmann, Personalleiter bei HDW, aus der Sicht des Arbeitgebers in die Problematik ein. Hartmann betonte, dass das Unternehmen mit Menschen mit Handicap insbesondere dann gut arbeiten könne, wenn diese bereits im Betrieb integriert seien. Eine umfangreiche Betreuung bzw. Assistenz könne aber nicht vom Betrieb selbst übernommen werden. Ein weiteres Problem sei, dass es die sogenannten Schonarbeitsverhältnisse, also einfache Tätigkeiten, praktisch nicht mehr gebe. Schließlich kritisierte Hartmann, dass Unternehmen bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung mit einer Vielzahl von Ansprechpartnern zu tun hätten. Dann talkten Torsten Albig und Hellmut Körner auf der Bühne in schwarzen Ledersesseln. Kiels Oberbürgermeister entwarf die Vision einer „starken Stadt“, zu der alle gehörten, und in der Menschen mit Behinderung selbstverständlich teilhaben müssten. Gerade in der Kommune ergeben sich nach Auffassung von Torsten Albig praktische Möglichkeiten zur Veränderung. Er bekannte freimütig, dass auch er noch Nachholbedarf in inklusivem Denken habe. Gerade die Stärken von Menschen mit Behinderung würden ihm wieder bewusst. Er berichtete in diesem Zusammenhang von seinem Besuch in einer von Menschen mit Behinderung gestalteten Ausstellung. Es gehöre zu einer klugen Wirtschaftspolitik, die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen zu berücksichtigen. Hellmut Körner führte seine Erfahrungen als Sozialstaatssekretär in die Diskussion ein. Gerade in der Heterogenität und Vielfalt liege die Stärke eines Unternehmens und mache sie besonders. Betriebe, die bereit zur Einstellung seien, bedürften der Unterstützung. Körner wies auf das Instrument der „Unterstützten Beschäftigung“ und die speziellen Hamburger Erfahrungen hin. In Hamburg wurden seit Beginn des Modells durch die Vermittlung von Praktika, die Vermittlung zu Arbeitgebern und die Begleitung durch Arbeitsassistenz rund 900 Menschen in Arbeit gebracht. Der Geschäftsführer des Hamburger Busunternehmers Friedrich Jasper Rund- und Gesellschaftsfahrten GmbH, Jens-Michael May, wies anschließend in seinem Beitrag auf die Veränderung der Unternehmenskultur nach der Einstellung von Menschen mit Behinderung hin. Diese sei viel freundlicher und offener geworden. Dies steigere die Motivation aller Beschäftigten. In der anschließenden Diskussion spielten verschiedene Aspekte eine Rolle. Wichtig sei, so eine Wortmeldung, dass der Gedanke in die Köpfe gebracht werden müsste. Dies sei insbesondere auch eine Aufgabe der Medien. Der Integrationsfachdienst warb für seine Arbeit und warnte davor, sie nicht durch bundesweite Ausschreibungen der Bundesagentur für Arbeit zu behindern. Der Gehörlosenverband trat für die Interessen von Gehörlosen bei der Arbeitsvermittlung ein. Für Prof. Dennis Snower vom Institut für Weltwirtschaft ist Arbeit eine Frage der Würde des Menschen. Entscheidend auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft sei die Hilfe zur Selbsthilfe, wobei für die Arbeitsförderung öffentliche Mittel, insbesondere passive Leistungen, umgewidmet werden müssten. Am Ende der Diskussion wies Thomas Wehner, Sprecher für Menschen mit Behinderung der SPD-Ratsfraktion, auf die Initiative der Fraktion: „Arbeit für alle – unser Kieler Weg“ hin, die derzeit erarbeitet werde und für die diese Diskussion wichtig sei. Ausgangspunkt sei das einstimmig von der Ratsversammlung beschlossene Leitbild und die örtliche Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung, die jetzt mit Leben erfüllt werden müsse. Hierzu gehöre, dass Außenarbeitsplätze bei der Landeshauptstadt Kiel und ihren Gesellschaften identifiziert werden müssten. Weiterhin gehörten hierzu die Instrumente der „Unterstützten Beschäftigung“ und des „Integrationsbetriebes“. Schließlich müsse überlegt werden, wie man zwischen den verschiedenen Akteuren zu einer besseren Abstimmung gelangen könne. Das liege im Interesse der Menschen und der Unternehmen. Für diese sei es wegen der demografischen Entwicklung – bis 2025 werde es in der Kieler Region rund 20.000 weniger Erwerbstätige geben – wichtig, alle Potenziale auszuschöpfen. Fotos von der Veranstaltung finden Sie in unserer Galerie.