Strategische Selbständigkeit der Stadtwerke sichern!

Der Mehrheitseigner der Stadtwerke Kiel AG, die MVV AG aus Mannheim (51 % MVV, 49 % Stadt Kiel), betreibt derzeit das umfangreiche Projekt „Einmal gemeinsam“. Neben weiteren Bemühungen zur Optimierung der Abläufe und Rationalisierung, die sich in dem sich weiter verschärfenden Wettbewerb auf dem Energiemarkt auch nicht vermeiden lassen, steht mittlerweile zu befürchten, dass aus Kiel zentrale Steuerungsfunktionen abgezogen werden
sollen.
So schreibt der Online-Dienst Dow Jones Energy Daily in seiner Ausgabe vom 2.9.2010: „Ziel ist es, wichtige Steuerungsfunktionen bei den mehrheitlich zur MVV Energie gehörenden Töchtern in Kiel und Offenbach einzusparen und diese künftig vom Standort der Konzernmutter in Mannheim aus zentral zu lenken.“
Bisher war das Bündnis aus den drei Stadtwerken in Mannheim, Offenbach und Kiel als ein Stadtwerkeverbund auf Augenhöhe angelegt. So haben wir die Zusammenarbeit mit Mannheim und Offenbach gewollt und so wollen wir sie auch weiterhin. Wenn aber die Stadtwerke Kiel in Zukunft nicht mehr aus Kiel gesteuert werden sollen, so wird das auf unseren erbitterten Widerstand stoßen.
Die SPD-Ratsfraktion hat sich am vergangenen Montag, 30.8.2010, vor Ort bei den Stadtwerken Kiel intensiv über die Situation informiert und anschließend eine interfraktionelle Initiative gestartet, mit der sich die Kieler Ratsversammlung am 16.9.2010 befassen soll. In diesem Antrag werden die beiden Vertreter der Landeshauptstadt Kiel aufgefordert, im Konsortialausschuss (der Konsortialausschuss ist ein auf Konsens angelegtes Gremium, in dem die Partner aus Mannheim und Kiel die wichtigen Dinge für die Stadtwerke Kiel für den Aufsichtsrat vorbereiten) die Streichung der geplanten Beschlussfassung über das Zentralisierungskonzept „Einmal gemeinsam“ vorzuschlagen bzw. dem Konzept nicht zuzustimmen.
Aus unserer Sicht wäre das Konzept nur zustimmungsfähig, wenn

  • keine steuerungsrelevanten Funktionen aus der Stadtwerke Kiel AG abgezogen und nach Mannheim verlagert werden,
  • die Steuerung der Stadtwerke Kiel AG auch weiterhin durch den Kieler Vorstand erfolgt (Das betrifft z. B. das Controlling sowie alle Steuerungsfunktionen und Kernprozesse in den Wertschöpfungsstufen (Erzeugung, Netze und Vertrieb) und die Querschnittfunktionen.),
  • für die Bündelung und Zentralisierung von Aufgaben lediglich Massenprozesse herangezogen werden (z. B. Verbrauchsabrechnung, Callcenter), wobei eine ausgewogene, partnerschaftliche Aufgabenverteilung in der MVV Energie Gruppe gewährleistet sein muss,
  • eine gleichberechtigte Eigentümerstruktur sowie der Einfluss der Stadtwerke Kiel AG auf Kosten und Servicequalität in gemeinsamen Serviceunternehmen sichergestellt wird.
All das ist bisher nicht erkennbar, so dass die SPD-Ratsfraktion Kiel heute (6.9.2010) den Antrag „Strategische Selbständigkeit der Stadtwerke Kiel sichern!“ beschlossen hat. Den Inhalt des Antrages geben wir hier wieder und hoffen, dass diejenigen, die das Projekt „Einmal gemeinsam“ betreiben, unsere Bedenken sehr ernst nehmen und die notwendigen Korrekturen vornehmen. In jedem Fall werden wir verhindern, dass die Stadtwerke Kiel AG zu einer Filiale
der Zentrale in Mannheim wird.