Geschichte: Weiberwirtschaft in der Kieler Ratsversammlung 1959

Heute 23.10.18

SPD-Kiel
19:30 Uhr, Interessiertenversammlung zur Wiederbelebung der ...

Nächste Termine


Fr, 26. Oktober, 19 Uhr
So, 28. Oktober, 17 Uhr

WOMEN of AKTION!
Ein Theaterstück zur Revolution
in Kiel in engl. Sprache mit dt.
Info-Material
Ort: Technische Marineschule,
Arkonastraße 1

Do, 29. November, 19 Uhr
Treffen des
AK Geschichte/Kultur,
Walter-Damm-Haus


Die Treffen sind öffentlich,
so weit nicht anders
angegeben.
Weitere Interessierte sind
willkommen.

Unser Vertreter im Bundestag 2017-2022!

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Weiberwirtschaft in der Kieler Ratsversammlung 1959

Frauen in der SPD Kiel

"Dieses Foto von 1959 aus der Kieler Ratsversammlung versinnbildlicht für mich eine Qualität der SPD, die mir sehr wichtig ist. Frauen waren - zumindest im Grundsatz - früh als gleichberechtigte Partnerinnen in die politische Arbeit eingebunden. Daran ändert nichts, dass es in der Praxis an der Gleichstellung oft haperte. Auch die SPD wurde von Menschen getragen, die aus ihrer Zeit heraus dachten, nicht von politischen Idealgestalten.

Immerhin hat August Bebel die Gleichstellung der Frauen mit seinem - auch in der eigenen Partei umstrittenen - Buch "Die Frau und der Sozialismus" sehr früh eingefordert. Die SPD war es dann, die den deutschen Frauen 1918 das gleiche Wahlrecht gab wie Männern, nicht als erste, aber lange vor anderen großen europäischen Staaten. Innerhalb der Partei gab es seit etwa derselben Zeit eine Quote für die Beteiligung von Frauen an Parteigremien - die auch nicht jederzeit eingehalten wurde, aber im Grundsatz immer Bestand hatte.

Das Recht zur politischen Betätigung stand nie in Zweifel, auch wenn es vielleicht eher in Krisenzeiten als in politisch und wirtschaftlich "normalen" Zeiten ausgeübt wurde. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg stellte die SPD in Kiel mehr weibliche Ratsmitglieder als in manchen späteren Legislaturperioden, und dies, obwohl die Männer aus Krieg und Gefangenschaft zurück waren und obwohl viele Frauen ihren eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Kinder verdienen mussten. Vielleicht brachten sie aus dem, was sie im Nationalsozialismus und im Krieg ausgehalten und geleistet hatten, ein Selbstbewusstsein und ein Bedürfnis nach politischer Gestaltung mit, das später wieder verloren ging.

Im Zuge des sogenannten "Wirtschaftswunders" war es wieder gesellschaftlich akzeptiert, dass die Frau Haus und Kinder versorgte, während der Mann das Geld verdiente. Diese traditionelle und für eigenes Einkommen und Altersversorgung der Frauen sehr schädliche Rollenverteilung wurde erst wieder in den 70er Jahren aufgebrochen, und wir arbeiten bis heute daran, wirkliche Gleichstellung in allen Lebensbereichen herzustellen, auch wenn - nicht zuletzt dank der SPD-Politik im Bund und in Schleswig-Holstein - vieles erreicht ist.

Drei der vier Frauen auf dem Foto gehörten dem Rat bis 1974 an und haben lange Jahre in der Kieler Politik eine Rolle gespielt. Von links: Beisitzerin Irmgard Kremer (FDP) war nur zwei Jahre im Rat. Ida Hinz (SPD), damals stellvertretende Stadtpräsidentin, gehörte ihm seit 1946 an und war zuletzt erste gewählte Stadtpräsidentin der Bundesrepublik. Dorothea "Dolly" Franke (SPD), am Redepult, war ab 1951, die andere Beisitzerin Rosa Wallbaum ab 1955 Ratsherrin (wie die Bezeichnung damals lautete). Dolly Franke und Rosa Wallbaum waren beide verwitwet und hatten halbwüchsige Kinder.

Wer das Foto aufgenommen hat, weiß ich nicht. Ich habe es von Rosa Wallbaum für das Buch "Kiel zu Fuß" (1989) erhalten, in dem es abgebildet ist."

Der Beitrag stammt von Susanne Kalweit, die die Arbeit des AK Geschichte koordiniert.